Hey aus dem Norden,
Syren hat schon mal recht - ich betreibe meine Hardware seit Jahren
windowsfrei. Viele wissen gar nicht was Windows ist, sie schalten den
Computer an, er läuft, und sie ärgern sich hier und da. Dass meiner mit
Linux läuft, merken viele gar nicht. Ich auch nicht. Er läuft eben. Und
brauche ich mal ein ein besonderes Programm für ein besonderes Problem,
lade ich es mir runter. Legal, kostenlos, virenfrei, und jetzt sofort.
Die *benutzerfreundliche*n *Distributionen* wären da wirklich ein großes
Thema - das digitale Leben funktioniert komplett ohne Lizensiererei,
Bezahlerei, Klauerei und Fürchterei. Einlegen, installieren und sich
wohlfühlen. Nicht weil der Linuxianer der bessere Mensch ist. Sondern
weil er weniger Sorgen hat und ein entspannteres Leben frönt.
Als großes, als Riesen-Thema müsste mal "*Linux an Schulen*" in die
Öffentlichkeit. Eine Schule in Freiburg/Br. hat aus 20 geschenkten
(=ausrangierten) Rechnern (abgeschrieben von der Industrie und älter als
3 Jahre) ein Pausenraum-Netzwerk aufgebaut. Dort können Schüler in
Freistunden mal eben ihre Power-Point-Präsentation erarbeiten (die in
Wirklichkeit eine "Open-Office-Präsentation" ist), oder das Referat für
Geschichte erarbeiten mittels Textverarbeitung und Wikipedia. Oder sich
an Linux-Lernprogrammen für die Schule bilden, oder auch einfach nur
surfen und daddeln. Freistunde ist Freistunde. Die Hardware war
geschenkt, und die Software kostet eben keine ermäßigten 60 Euro
(Steuergelder) Einzelplatz-Lizenz, sondern nichts. Der externe
Sachverstand zur Vernetzung war viel billiger als Einzelplatzlizenzen.
Plus keine Kosten für Office-Paket usw.. Obwohl geschenkt, müssen die
Kisten auch nicht alle drei Jahre ausgetauscht werden, weil sie den
folgenden Software-Innovationssprung nicht mehr schaffen. Wäre eine
Riesen-Kostenbremse für Schulen. Geld was zusätzlich für moderne
Hardware oder externe Systembetreuung frei wäre. Geld für externe
Systembetreuung flösse zudem an den Untermain, und nicht nach Redmont
oder CallCenter in Irland. In Spaniens ärmster und dünnstbesiedelter
Region, der Extremadura, ist man Vorreiter in dieser Idee. Und EU-weit
führend in der Hardwareausstattung der Schulen und Vernetzung der
ländlichen Region (sic!).
Seminarix, SkoleLinux usw. - es gibt schon Schul-Lösungen, fertig,
laiengerecht, die nur noch benutzt werden müssen. Kostenlos, und gut.
Aber was nix kostet ist immer noch nix wert. Bin mit der Idee leider
schon höchstselbst gescheitert an der Grundschule meiner Tochter. "Wir
haben hier ein Microsoft-Netzwerk gesponsert von der Telekom, Microsoft
war Bedingung, und für die Administrator-Hotline zahlt die Schule 300
Euro monatlich", beschied mir die Systembetreuerin; eine eigentlich hoch
gebildete 1-Euro-Kraft. "So lange das Land das Geld hat und ich bei der
Hotline durchkomme werde ich einen Teufel tun, da ein einziges Bit zu
verändern", beschied sie mir. Und: "Ich hatte einen Linuxrechner mit
OpenOffice und Internetanschluss ein Jahr lang ins Lehrerzimmer
gestellt, für die kleinen Problemchen zwischendurch. Der wurde ein Jahr
lang nicht eingeschaltet, bis ich wieder Windows draufgehauen habe".
Ein weiteres Thema wäre "*Rettet alte Technik*". Warum nicht ein altes
Notebook der alten Mutter muttergerecht einrichten, statt es zum Müll zu
tragen?
Mein letzter Erfolgsschrei war ein geschenktes Notebook von *2000* mit
spanischer Tastatur und spanischem Windows98. Geschenkt nur unter der
Bedingung, dass ich wegen Privatsphäre die Festplatte komplett löschen
musste. Der Feld-Wald-Wiese-User hätte Windows98 oder ME oder vielleicht
sogar XP kaufen oder "leihen" müssen, und nach Kauf gesehen ob es tut.
Eventuell es auch gleich zum Schrott getragen, wegen
kaufen-lohnt-nicht-mehr-für-vielleicht-funktionieren. Ich habe das
nagelneue Knoppix 6.0 aufgespielt. Das Ding mit 3GB-Festplatte und jetzt
300MB RAM kann alles, was es 2000 noch nicht gab: USB-Eingang verwalten
(den Win98 nicht kannte), Musik abspielen, PDFs öffnen oder erstellen
und mit OpenOffice jegliche Word-und-sonstige Dokumente. Meine Freundin
tippte dran ihre Magisterarbeit, wenn mein großer Rechner nicht frei
war. Und die "alte Schreibmaschine" hat Internetanschluss, virenfrei.
Sie kann sogar WLAN (mit WLAN-Stick) oder meine
500-GB-externe-Festplatte lesen. Und betreibt auch meinen Scanner von
2006, oder meinen Drucker von 2002. Natürlich habe ich auch keine Scham,
mich neben Vaios und Apples damit ins Internetcafe zu setzen. Und die
alte Gurke klaut mir dort auch keiner. Bei Bedarf kriegt meine Tochter
(jetzt Gymnasiastin) das Ding geschenkt.
Mein Lieblingsthema ist und bleibt "*unterwegs mit dem kompletten
Betriebssystem* in der Brusttasche samt aller benötigten Programme *auf
USB-Stick*" - Ihr erinnert Euch vielleicht noch an mein Steckenpferd
Puppy Linux. Das liebe ich noch immer, wenn auch es sehr schmalhansig
ist und bleibt. Inzwischen gibt es einige andere Distributionen, die
ebenfalls mitgenommen und von Stick gestartet werden können. Und um
einiges komfortabler sind (allerdings auch größer und langsamer).
Knoppix 6.0, nur zum Beispiel.
Ein kleiner böser alter Witz zum Schluss:
Linux ist für Nutzer, die wissen wollen, warum ihr Computer funktioniert.
Macintosh ist für Nutzer, die nicht wissen wollen, warum ihr Computer
funktioniert.
Windows ist für Nutzer, die nicht wissen wollen, warum ihr Computer
nicht funktioniert.
Ciao
Henson
Syren Baran schrieb:
> Am Samstag, den 20.02.2010, 15:38 +0100 schrieb Jochem Hauck:
>
>> Liebe Lugum-User,
>>
>
>
>> Einzige Bedingung: Es sollen
>> allgemeinverständliche Texte sein. Also eine Mischung zwischen
>> Computerbild und c't. Wir sind noch in der Planungsphase und für alle
>> Anregungen etc. dankbar...
>>
>
> Ich vermute mal, das Workshops zu Programme, die es mittlerweilen auch
> unter Windows gibt ne gute Idee ist (also, z.B. Gimp, OpenOffice,
> Pidgin).
> So hat z.B. der Spiegel ja auch öfters mal Workshops zum Gimp.
>
> Ansonsten halt mal ne Vorstellung von einer der benutzerfreundlicheren
> Distros (z.B. Suse, Ubuntu oder Mandriva).
> Ich hab schon öfter sowas auf ner ausgemustertern Kiste ohne
> Windowslizenz installiert. Amüsanterweise haben gerade komplette
> Computerlaien keine Probleme damit umzugehen. Die ärgert es vieleicht
> erstmal, dass ein paar Spielchen nicht gehen, aber die ganzen
> Flashspielchen gehen dann doch auch, die social-Networking-Seiten und
> Instantmessaging sowieso. Und womöglich auch der alte Drucker oder
> Scanner für den es keine Treiber für Vista/Win7 gibt.
>
>
>> Gruß, Jochem Hauck
>> Mitglied bei LUG- Untermain
>> Redakteur beim Main-Echo
>>
>>
>
>
>
Received on Mon Feb 22 14:50:00 2010